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„Das CityLAB ist auch eine Schaltstelle für die Modernisierung der Berliner Verwaltung“

  • Veröffentlichungsdatum 02.07.2019
Frauke Nippel

Das CityLAB Berlin, das wir in Zusammenarbeit mit der Senatskanzlei Berlin betreiben, ist Teil des Zukunftspakts Verwaltung, den Senat und Bezirke im Mai geschlossen haben. Interview mit Dr. Frank Nägele, Staatssekretär für Verwaltungs- und Infrastrukturmodernisierung/Wachsende Stadt in der Senatskanzlei Berlin, zur Rolle des CityLABs für die Modernisierung der Verwaltung 

Dr. Frank Nägele, Staatssekretär für Verwaltungs- und Infrastrukturmodernisierung bei der Eröffnung des CityLABs Berlin am 12. Juni 2019/Permanent Secretary for Modernisation of Administration and Infrastructure; Foto: Florian Reimann

Im Zukunftspakt Verwaltung ist die Rede von einer massiven Veränderung der Rahmenbedingungen für die öffentliche Verwaltung, die zu einem enormen Anpassungsbedarf führt. Welche Rolle soll das CityLAB in diesem Zusammenhang spielen?

Im CityLAB entsteht auch eine Verwaltungsmanufaktur, in der wir Neues ausprobieren wollen. Jeden Tag erleben die Verwaltungsangestellten außerhalb des Büros die Digitalisierung, nutzen im Alltag digitale Tools und erledigen beispielsweise ihre private Korrespondenz praktisch ohne Papier. Dann kommen sie ins Büro und dort werden die Dinge immer noch so erledigt wie seit langer Zeit, Digitalisierung spielt kaum eine Rolle. 

Viele in der Verwaltung verstehen, dass sich das ändern muss. Sie sind bereit für Veränderung. Aber die Verwaltung kann Veränderungsprozesse nicht so organisieren wie das die Startup-Szene kann, wo eine große Toleranz für Fehler und Scheitern herrscht. Das ist in der Verwaltung anders. Verwaltungen sind darauf angelegt, fehlerfrei zu arbeiten. Deshalb sind sie grundsätzlich vorsichtig, ja sogar veränderungsavers.

Mit dem CityLAB bekommt die Berliner Verwaltung einen geschützten Raum, in dem man sich trauen darf, bestehende Prozesse zu hinterfragen, eigene Ideen einzubringen und Experten für die Umsetzung zu konsultieren. Ich möchte, dass das CityLAB eine Schaltstelle wird, wo wir einen grundsätzlichen Wandel zur digitalen Verwaltung vordenken können.

Möglich ist im CityLAB auch der Austausch mit Startups und mit Bürgerinnen und Bürgern. Aber was mir wichtig ist: Es wird zu den Ideen, die eingebracht werden, keine Vorab-Diskussionen und -Bewertungen geben. Auch Scheitern wird in unserer Manufaktur als Teil des Entwicklungsprozesses gesehen und stellt kein Problem dar. Wo interessante Ideen entstehen, kann ich mir auch eine Anschlussfinanzierung vorstellen, für das Design eines Prototypen und für den Praxistest. Denn natürlich muss der zweite Schritt folgen, müssen wir nach der Arbeit im LAB in einem überschaubaren Raum prüfen, wie die konzipierten Veränderungen in der Praxis wirken.

Wie sieht das praktisch aus? Kann man sich bei Ihnen melden und ein Thema für ein Projekt im LAB vorschlagen?

Ja, alle Senats- und Bezirksverwaltungen können Workshops anmelden, es soll bunt werden. Die übergeordneten Themen sind Prozesse und Strukturen. Im CityLAB soll an deren Optimierung gearbeitet werden. Wir brauchen einen schnellen und tiefgreifenden Wandel. Denn wir werden zukünftig mit weniger Personal die weiterhin dynamische Entwicklung in der Stadt begleiten müssen. 

Die ersten Projekte laufen schon. Das CityLAB beschäftigt sich beispielsweise im Projekt PARI – Prozessanalyse Rad-Infrastruktur - mit den Prozessen und Verfahren, die zur Genehmigung von Radwege führen. Das neue Mobilitätsgesetz sieht zusätzliche Radwege in der Stadt vor. Die Frage, der PARI nachgeht, lautet: Wie können Prozesse und Verfahren so gestaltet werden, dass wir diese Radwege schnell bekommen? 

Für das Projekt ist die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz auf uns zugekommen. Aber das CityLAB steht auch allen anderen offen. Ich könnte mir beispielsweise auch vorstellen, dass im LAB Prozesse mit viel Publikumsverkehr wie die KfZ-Zulassung auf den Prüfstand gestellt werden. Was kann man online machen, was muss wirklich noch im persönlichen Gespräch und auf Papier erledigt werden?

  • Foto: Florian Reimann
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  • Foto: Erik Reinholz-Ruthenberg
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  • Dr. Frank Nägele, Staatssekretär für Verwaltungs- und Infrastrukturmodernisierung bei der Eröffnung des CityLABs Berlin am 12. Juni 2019/Permanent Secretary for Modernisation of Administration and Infrastructure; Foto: Florian Reimann
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  • Foto: Erik Reinholz-Ruthenberg
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Sie sprechen vom CityLAB als einem geschützten Raum für die Verwaltung. Gleichzeitig ist von einer allgemein zugänglichen Ausstellung im H2rund die Rede. Wie passt das zusammen?

Das CityLAB hat vier Funktionen: Neben der Verwaltungsmanufaktur gibt es vor Ort auch eine Werkstatt, in der sich Player wie die Wissenschaftseinrichtungen und Initiativen der Stadtgesellschaft einbringen und für die Digitalisierung Berlins arbeiten können. Es gibt drittens den Treffpunkt CityLAB, wo sich die Akteure miteinander vernetzen können. 

Und es gibt die Ausstellung, die wir zusammen mit dem CityLAB am 12. Juni eröffnet haben. Die Ausstellung ist werktags zwischen 10 und 17 Uhr geöffnet. An der Wochenendöffnung arbeiten wir. Alle Berlinerinnen und Berliner sind herzlich eingeladen, sich in der Ausstellung über Digitalisierungsprojekte für Berlin zu informieren.

CityLAB Berlin

Gut gelaunte Menschen stehen vor dem Eingang des CityLABs

Im CityLAB wird Innovation und Partizipation zusammen­gedacht: Verwaltung und Stadtgesellschaft arbeiten hier gemeinsam an Lösungen für das digitale Berlin von Morgen.


Zielgruppe

Verwaltung, Zivilgesellschaft, Wissenschaft